Jean Alesi – Tradition und Vision sind die Hauptparameter auf dem Genfer Automobilsalon
Im Schalensitz Nr. 57
Die Formel 1-Piloten Nick Heidfeld und Witali Petrow, Manager-Ikone Bob Lutz, Altstar Jean Alesi, Lotus-Chef Danny Bahar, Ersatzpilot des Lotus-Teams Bruno Senna sowie Edeltuner Korrosh Mansory posierten am ersten Pressetag in Genf zusammen für Lotus. Der britische Sportwagenhersteller bereitete seine Pressekonferenz in Genf zwar minuziös vor – doch die Anzahl der Botschaften und Botschafter war zu viel des Guten. Die Präsentation wirkte eher chaotisch. Motorsportfans aber freuten sich sehr über ein Wiedersehen mit Jean Alesi. Durch seine ungestüme und temperamentvolle Art liebten ihn nicht nur die italienischen Fans.
Der am 11. Juni 1964 in Montfavet bei Avignon geborene französischer Automobilrennfahrer mit sizilianischen Wurzeln startete zwischen 1989 und 2001 bei 201 Grand-Prix-Rennen in der Formel 1. Von 2002 bis 2006 fuhr Alesi in der DTM, 2007 und 2008 war er in der Speedcar Series aktiv.
Jean Alesi begann 1981 seine Motorsportkarriere mit dem Kartsport. 1986, nach mehreren mittelmäßigen Jahren im Renault 5 Turbo Cup und in der Formel Renault, wechselte er in die Französische Formel-3-Meisterschaft und wurde auf Anhieb Zweiter in der Gesamtwertung. Im folgenden Jahr sicherte er sich den Titel und bekam einen Formel-3000-Vertrag im ORECA-Team für die Saison 1988. Er holte zwar nur den zehnten Gesamtrang, aber in der nächsten Saison bekam er ein Cockpit im Team Jordan unter und sicherte sich den Titel.
Ebenfalls im Jahr 1989 begann Jean Alesi seine Karriere bei Tyrrell in der Formel 1. Er ersetzte mitten in der Saison den Alt-Star Michele Alboreto und kam gleich in seinem ersten Rennen, dem Grand Prix von Frankreich, auf den vierten Platz. Er holte 1989 noch bei zwei weiteren Rennen WM-Punkte. In Formel-1-Kreisen galt er spätestens jetzt als eines der größten Talente, und es war nur noch eine Frage der Zeit, bis er zu einem Top-Team wechseln würde.
Nachdem er im Folgejahr einige weitere hervorragende Leistungen lieferte – unter anderem einen zweiten Platz beim Grand Prix in Phoenix, bei dem er sich einen heftigen Kampf mit dem späteren Weltmeister Ayrton Senna lieferte – folgten Angebote von Spitzenteams wie Ferrari und Williams. Alesi unterschrieb gleich zwei Verträge, wurde aber vom World Council dem italienischen Rennstall zugesprochen. Alesi hatte das Pech, dass er zu einem Zeitpunkt zu Ferrari wechselte, als sich das Team im Abstieg befand. Oft ließ ihn sein Material im Stich, als er auf dem Weg zu sicheren Punkten war. Alesi vermochte es aber auch nicht, sein Team in der Entwicklung eines konkurrenzfähigeren und zuverlässigeren Fahrzeugs entscheidend zu unterstützen. Erst mit der Verpflichtung des Österreichers Gerhard Berger an der Seite des Franzosen war ein deutlicher Aufwärtstrend zu erkennen. In dieser Ära feierte er auch seinen einzigen Sieg in der Formel 1, und zwar an seinem 32. Geburtstag, beim Großen Preis von Kanada. 1995 verließ Alesi nach fünf Jahren Ferrari und wechselte zu Benetton. Alesi verband damit die Hoffnung, noch mal um die Weltmeisterschaft kämpfen zu können, da das Team um Flavio Briatore in den Vorjahren jeweils den WM-Titel erringen konnte. Trotz vereinzelter Highlights reichte es in zwei Jahren nicht für die ganz großen Ziele, einen Sieg oder gar den Titelgewinn. Nach 1997 fuhr er nacheinander mit mäßigem Erfolg für Sauber, Prost Grand Prix und Jordan, wo er dann 2001 seine Formel-1-Karriere beendete.
Zurück nach Genf: Eine große Tradition feierte Jaguar. Die Traditionsmarke mit einem indischen Eigentümer feierte den 50. Geburtstag des legendären Jaguar E und zeigte mit Stolz auf dem Stand das authentische Fahrzeug von 1961. Für geladene Gäste und Journalisten standen am Hotel due Parc des Eaux de Vie in Genf sogar historische Jaguar für Probefahrten bereit, dem authentischen Ort der E-Type-Präsentation vor 50 Jahren.
Mercedes-Benz-Chef Dieter Zetsche zeigte ein großes Spektrum während des Autosalons. Einen über 100 Jahre alten Mercedes Simplex und den Versuchsträger SLS AMG E-Cell; Der neue Bugatti Chef Wolfgang Dürrheimer (ehemaliger Porsche-Entwicklungsvorstand) posierte vor einem 75 Jahre alten Typ 57 S Atalante und Porsche erinnerte an die lange Tradition mit dem frisch restaurierten Modell Porsche Semper Vivus aus dem Jahr 1900, dem wohl ersten funktionsfähigen Vollhybrid-Fahrzeug überhaupt.
Porsche Semper Vivus, Bj. 1900
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