Helmut Bross: Die Württembergische Classic war der Hit
Im Schalensitz Nr. 36
Nachdem sich zahlreiche Journalisten akkreditiert hatten, begann die 15. Württembergische Classic mit dem von der Solitude GmbH organisierten Presse Kick-off am Donnerstag, den 17. Juni 2010, um 12.30 Uhr. Neben den Medienvertretern lauschten zahlreiche Teilnehmer den Begrüßungsworten von Renate Hof, Bürgermeisterin der Marktgemeinde Prien am Chiemsee, sowie von Ferdinand Reb, dem Geschäftsführer der Priener Tourismus GmbH. Moderator Michael Hagemann ließ für die Journalisten und interessierten Zuhörer aber auch die Rennfahrer Ebs Mahle (im schalensitz Nummer 12), Helmut Bross, Clemens Schicketanz, unter anderem zehnfacher Le Mans-Teilnehmer, und Harald Eckl, zweifacher Deutscher Motorrad-Meister, zu Wort kommen. „Höchstleistung verbindet“, ist der Brückenschlag zwischen den Rennfahrer-Größen und den 200 Teams der Württembergischen Classic. Vor allem die rund 30 Vorkriegs-Boliden waren bereits am Donnerstag-Prolog über den Tatzelwurm nach Neubeuren gefordert. Während diese beim trockenen Start in Prien am Strandbad Prienavera noch Wetter-optimistisch gestimmt waren, wurden sie unterwegs von so starken Schauern überrascht, dass die alten Trommelbremsen und die betagten Beleuchtungen an ihre Grenzen kamen. Wieder trocken und gut gelaunt kamen abends alle Teilnehmer im Festzelt am Strandbad zu einem zünftigen bayerischen Abend zusammen. Dr. Jochen Kriegmeier, Vorstandsmitglied Württembergische Versicherung AG und Württembergische Lebensversicherung AG, begrüßte die Gäste.
Die Route am Freitag, den 18. Juni, führte zunächst zu einer Frühstückspause nach Bad Reichenhall. Den Neustart übernahm Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner persönlich, unterstützt von den Anfeuerungsrufen vieler Kinder eines nahe gelegenen Kindergartens. Ebs Mahle und Helmut Bross gaben Autogramme und frühstückten anschließend mit Gewinnern einer Sonderaktion der Generalagentur der Württembergischen von Andrea Lippert. Während die Rennfahrerlegenden zu einem Empfang mit Finanzminister Georg Fahrenschon nach Prien zurückreisten, bewegte sich das rollende Museum weiter nach Fuschl am See und über Laufen/Salzach nach Tengling am Tachinger See. Von dort ging es zurück nach Prien, wo die ersten Teilnehmer um 17.45 Uhr auf dem Marktplatz ankamen. Bevor diese ihre letzte Sonderprüfung des Tages auf dem rund 500 Meter langen Rundkurs antraten, erlebten sie noch die Eröffnungsrunde der politischen Delegation in einem Mercedes 220 SEb-Rennwagen, und einem Mercedes 220 S Cabriolet.
Zuvor hatte Dr. Alexander Erdland, Vorsitzender des Vorstands der Wüstenrot und Württembergische AG, den Finanzminister mit seiner Gattin, Klaus Stöttner, MdL, die Rennfahrer sowie Priener Verbände und Unternehmer in der Casa Kronast auf dem Marktplatz begrüßt. Die Moderation führte Solitude GmbH-Geschäftsführer Tobias Aichele durch. Die gemeinsame Abendveranstaltung fand in einem Festzelt auf dem Marktplatz statt. Die letzten Motoren auf dem Rundkurs verstummten erst nach 21 Uhr.
Am Samstag, den 19. Juni 2010 übernahm Dr. Alexander Erdland selbst das Steuer eines Ford Mustang von 1965 und fuhr die gesamte Tagesetappe mit. Im einem Begleitfahrzeug fuhr Helmut Bross Journalisten. Die Route führte nach Wasserburg am Inn und über Neuötting, wo die Teilnehmer vom stellvertretenden Bürgermeister Karl-Heinz Niederhammer begrüßt wurden, nach Burghausen zur Mittagspause auf dem Stadtplatz. Über das Städtchen Seeon gelangten die Teilnehmer schließlich zurück nach Prien, wo sie von regenresistenten Zuschauern herzlich empfangen wurden.
Huschke von Hanstein hat Helmut Bross Ende der sechziger Jahre einmal ganz schön abblitzen lassen, als der schnelle Formel-Fahrer dem ehemaligen Porsche Rennleiter stolz verkündete, es wäre noch nie von der Strecke abgekommen. „Dann lernen Sie erst einmal die Grenzen kennen und fliegen dabei einmal ordentlich raus“, provozierte der Rennbaron und verweigerte dem Herrenberger einen Cockpit-Platz in einem Werkswagen. Dabei hatte der ehemalige Autoverkäufer wenige Wochen zuvor eindrucksvoll bei Qualifikationsfahrten unter Beweis gestellt, wie schnell er den Porsche-Sportprototypen 908 bewegen konnte. Das Werk setzte die Hoffnungen damals auf Jürgen Barth, der sich aber von dem Formel-Fighter ohne Training pro Runde immer wieder zwei Sekunden einschenken lassen musste – mit dem Resultat: Weder der einen, noch der andere gehörten ins Stamm-Kader.
Die Karriere von Helmut Bross geriet dann allerdings auch ohne den Sportwagen-Hersteller eindrucksvoll: Deutscher Meister 1968, 1969, 1970 und 1972 auf Formel V-Rennwagen. 1975 erfolgreichster Deutscher in allen Meisterschaften der Formel SV; 1976 Europa-Vizemeister der Interserie auf einer Lola T 294; Interserie-Gesamtsieger im Jahr 1977; 1978: 3. Platz in der Formel 3-Meisterschaft und im Folgejahr Dritter in der Deutschen Meisterschaft dieser schnellen Serie. Im Jahr 1980 schließlich Vierter in der Deutschen Meisterschaft. Danach hörte Helmut Bross mit dem aktiven Motorsport auf, nach 30 Jahren und nur einem ernsten Abflug. Wegen eines Felgenbruchs flog er in einem Chevron Formel 2 auf der Nürburgring Nordschleife 400 Meter weit. „Das Auto war platt, mir ist fast nichts passiert“, erinnert er sich schmunzeln an Huschke von Hanstein denkend.
Besonders an die wunderbare Formel-V-Zeit denkt der heute 71-jährige sehr gerne zurück: „Diese Zeit war das Größte, wir haben zu viert in einem Einzelzimmer gepennt, Kameradschaft und Spaß waren alles. Dein Konkurrent war damals noch dein Freund.“ Für Bross öffnete sich aber auch Tür und Tor durch seine Rennerei. So war er beispielsweise einmal Gast im Weißen Haus während der Amtsperiode von Jimmy Carter. Gleich mehrfach trat der Formel-Spezialist mit einer Formel SV-Europaauswahl bei den berühmten Kräftemessen gegen die US-Spitzen in Daytone und Sebring an – und landete auf dem Podest.
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